0
English
Fakten, Daten und Zahlen
0
Beschaffung und Distribution in der Molkereiwirtschaft
Für die Molkereiwirtschaft als Lieferant von Frischeprodukten für den täglichen Bedarf stellen Logistikkosten ein bedeutendes Element der Kostenstruktur dar. Neben den anfallenden Kosten für die Beschaffung der Rohmilch und der Distribution der Produkte muss die stark transportkostenorientierte Branche durch die wirtschaftspolitische Entwicklung (Ökosteuer, Kraftstoffpreise) zusätzliche Steigerungen ihrer Logistikkosten in Kauf nehmen. Die Einführung der Maut hat eine weitere Kostensteigerung um rd.
15 % verursacht. Hinzu kommen die ab April 2007 gültigen neuen EU-Regelungen für die reduzierten Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer, die zu weiteren Verteuerungen führen werden.

Diese Entwicklung beeinflusst stark die Wettbewerbsfähigkeit der Branche, die zunehmend mit internationaler Konkurrenz zu kämpfen hat. Trotz steigender Logistikkosten sorgt das Überangebot des Rohstoffs Milch für einen erhöhten Preisdruck auf dem Markt. Eine Optimierung der Prozesskosten logistischer Abläufe bei einer gleichzeitig effizienten Erfüllung der Kundenwünsche ist daher notwendig.


Ein Problemfeld in der Logistik sind die hohen Erfassungs-
kosten der Rohmilchbe-
schaffung, die bei der Abholung durch die Molkereien vom Erzeuger anfallen. Dabei werden die Milcherfassungs-
kosten stark durch die Organisation der Logistik beeinflusst.

Die Rohmilchbeschaffung der Molkereien hat sich im Zuge des Strukturwandels landwirtschaftlicher Milchviehbetriebe verändert. Aufgrund der abnehmenden Zahl der Milcherzeuger verringert sich zwangsläufig auch die Haltestellenzahl. Die Entwicklung zu größeren Milchmengen pro Lieferant führt zu einer effizienteren Milchübernahme pro Anlaufstelle.

Gleichzeitig geht aber die regionale Milchdichte zurück. Die Sammelfahrzeuge der Molkereien müssen der Situation entsprechend eine weitere Entfernung zurücklegen, um das gleiche Volumen zu generieren. Aufgrund der hohen Transportkosten in Verbindung mit der Milchdichte, spielt die Nähe zu den landwirtschaftlichen Betrieben daher eine zentrale Rolle für die Standortqualität der Molkereiwirtschaft. Nicht zu vernachlässigen sind bei dieser Betrachtung auch die hohen Mengen im Bereich der Beschaffung (Verpackung, Zusatzstoffe usw.).

Eine Möglichkeit, um die Kosten für den notwendigen Fuhrpark sowie die Fahrstrecken- und den Arbeitszeitaufwand für die Milcherfassung zu reduzieren, besteht in der Änderung der Erfassungsfrequenz. Eine zweitägige Abholung kann gegenüber der täglichen Erfassung zu einer Halbierung der Haltestellen-
kontakte und zu einer Verdoppelung der Milchmenge pro Haltestelle und Abholung führen. Zudem können die anfallenden Rüst- und Reinigungskosten der Fuhrparkentwicklung angepasst werden. Weitere Kostenvorteile ergeben sich durch die Aufwendungen für Güteuntersuchungen und Milchgeldabrechnung. Besonders bei einer geringen Milchdichte kann die Molkereiindustrie Kostenpotenziale generieren. Durch die Agrarrefom1, die eine regional starke Einschränkung der Milchproduktion nach sich ziehen dürfte, wird die zukünftige Milchdichte einer Region beeinflusst.

Da die Molkereiwirtschaft stark von der Milchdichte am Standort abhängig ist, wird die Bedeutung der Verfügbarkeit des Rohstoffs Milch bei zukünftigen Investitions- und Standortüberlegungen der Branche zunehmen.

Ein weiteres Problem in der Logistikkette der Molkereiwirtschaft sind neben den hohen Logistikkosten bei der Rohmilchbeschaffung die Kosten der Distribution. Die Bedeutung des Strecken-
geschäftes zu Gunsten von Zentrallagerlieferungen nimmt stetig ab, da der Lebensmitteleinzelhandel Logistikfunktionen vermehrt an sich zieht. Diese Entwicklung sollte sich im Grunde sinkend auf die Distributionskosten der Hersteller auf dem Markt auswirken.

Dank moderner Logistik frisch auf den Tisch
Durch die nationale und internationale Konzentration des Lebensmitteleinzel-
handels ist die durchschnittliche Nachfrage eines Handelsunternehmens nach Molkereiprodukten stark angestiegen. Gleichzeitig ist die Zahl der Molkereien rückläufig. Für viele Molkereien entstand dadurch der Zwang von einer regionalen zu einer zumindest national flächen-
deckenden Distributionsstruktur überzugehen. Die Bedeutung des Streckengeschäftes, d.h. die Direktbelieferung von Einzelhandels-
filialen, ist aber zugunsten von Zentrallagerlieferungen stark zurückgegangen, da auch bei den Molkereiprodukten der Lebensmitteleinzelhandel die logistische Zentralfunktion übernehmen möchte. Mittlerweile werden rd. 90 % aller Milchprodukte über die Zentralläger des Handels distribuiert.

Die Frischelager der Hersteller werden überwiegend in Eigenregie betrieben. Milchprodukte werden meist nur kurzfristig eingelagert, bis Quarantäne- und Kühlzeiten eingehalten sind und die Qualitätssicherung die Ware für den Verkauf freigibt.

Die max. Lagerdauer z. B. für gekühlte und tiefgefrorene Butter ist von der Temperatur abhängig (1 - 2 Monate bei -1 bis 4°C, bis 12 Monate bei -18 bis -24°C). Beim Käse ist die Lagerfähigkeit zudem von der Sorte abhängig (z. B. Roquefort 4 Wochen, Camembert 4 - 6 Wochen, Gouda oder Tilsiter 4 Monate).

Gerade im Frischebereich sind aber die Lebensmittelhandels-
konzerne vermehrt an einer "Just-ln-Time"-Anlieferung der Waren interessiert, um die eigenen Lagerbestände aus Kostengründen zu reduzieren. Wer die Zielgrößen des Handels verfehlt, dem droht die Auslistung oder Nichtberücksichtigung bei Sonderaktionen. Für die Hersteller von Molkereiwaren bedeutet diese Entwicklung einen Anstieg der Belieferungsfrequenz mit einer geringeren Bestellmenge pro Lieferung. Die Transportkosten der Molkereiproduzenten steigen.


Materialfluss Molkereiprodukte
Bild vergrössern


Ein wesentlicher Bestandteil zur Optimierung der Logistik ist die Harmonisierung der logistischen Prozesse. Aufgrund der kundenspezifischen Anforderungen haben sich unterschiedliche Prozesse neu herausgebildet, die parallel zu bereits bestehenden Prozessen ablaufen. Auch durch die zunehmenden Kooperations- und Fusionstendenzen in der Molkereiwirtschaft entstehen ungleiche Supply-Chain-Prozesse in einem Unternehmen. Deshalb werden in den Molkereien fortlaufend die Prozesse in der gesamten Supply Chain aufgezeigt und analysiert, um positive Kosteneffekte zu realisieren.


1 Seit 2005 werden die meisten Beihilfen unabhängig vom Produktionsvolumen gewährt. Um Produktionseinstellungen zu vermeiden, können die Mitgliedstaaten unter genau festgelegten Bedingungen und innerhalb klarer Limits in begrenztem Maße eine Kopplung der Beihilfen an die Produktion beibehalten. Die neuen "einzelbetrieblichen Zahlungen" werden künftig an die Einhaltung von Umwelt-, Lebensmittelsicherheits- und Tierschutznormen gebunden, wodurch die europäische Landwirtschaft wettbewerbsfähiger und marktorientierter und den Landwirten zugleich Einkommensstabilität garantiert wird.
© 2010 Milch & Markt | Impressum | Datenschutz | Haftungsausschluss
Sofern Sie einen Benutzernamen und ein Kennwort für unseren Mitglieder-Bereich haben, klicken Sie bitte hier um zur Anmeldemaske zu gelangen.

Der deutsche und europäische Milchmarkt zeigt weiterhin eine stabile Verfassung