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24.02.2010
Deutsche H- Milch erfolgreich in Europa
- MIV: Internationaler Handel mit Milchprodukten für Branche essentiell

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Milchwirtschaft 2010: Mehr Markt und weniger Politik - Mit vorsichtigem Optimismus in das Neue Jahr
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Ein Ausblick auf das neue Milchwirtschaftsjahr 2010
Mit dem Fremdwort "volatil" ist der Milchmarkt unter dem Einfluss von Milchmarktreform und Globalisierung, die das Geschehen in den vergangenen Jahren geprägt haben, häufig beschrieben worden. Auf Deutsch könnte man es mit "flatterhaft" bezeichnen, womit nicht nur heftige Schwankungen, sondern auch ein Mangel an Verlässlichkeit und Berechenbarkeit zum Ausdruck kommen. Auch unter solchen Bedingungen soll hier eine Prognose versucht werden, nicht nur weil es guter Brauch zum Jahreswechsel ist, sondern auch weil viele unter den am Markt Beteiligten solche mittelfristigen Markteinschätzungen selbst vornehmen müssen und dabei Erfahrung und Sachkunde aufgrund langjähriger Beobachtung hilfreich sein können. Nicht nur in der Entwicklung des Milchmarktes in den vergangenen vier Jahren sondern auch anderswo im Wirtschaftsleben treten Ereignisse auf, die in ihren Grundmustern die Wiederholung früheren Geschehens sein können. Erfahrung ist hilfreich, um sie richtig einzuordnen. Andererseits treten Ereignisse ohne Präzedenz auf, zu deren richtiger Einordnung Erfahrung weniger hilft, als Sachkunde. Daher muss man nicht an der Aufgabe einer richtigen Einschätzung künftigen Marktgeschehens verzweifeln.

Für das Jahr 2010 ist mit folgenden Entwicklungen am Milchmarkt zu rechnen:

• Das Preisniveau wird sich von dem des Vorjahres nach oben abheben.
• Die Ausgangslage ist schon zum Jahresbeginn günstiger als Anfang 2009, weil der Markt nicht mit strukturellen Überschüssen aus dem Vorjahr belastet ist.
• Staatliche Maßnahmen, in der Hauptsache die Intervention, werden für erheblich geringere Mengen in Anspruch genommen und dies vermutlich über kürzere Zeiträume.
• Das in Euro ausgedrückte Preisniveau am Weltmarkt wird mehr als 2009 die Märkte, das Preisniveau sowie die Preisschwankungen beeinflussen.

Diese relativ optimistische Prognose für 2010 gilt unter folgenden Annahmen:

• Die Milcherzeugung in der EU wächst nur wenig.
• Die Nachfrage am Binnenmarkt stabilisiert sich.
• Der Export nach Drittländern erholt sich weiter.

Dies alles ist ja nichts Neues, damit sind schließlich schon die Tendenzen der vergangenen Monate beschrieben. Dass diese Tendenzen auch über das ganze Jahr 2010 bestehen bleiben, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennbar. Doch vieles spricht dafür, dass sie voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte vorherrschen werden, und die ist meistens entscheidend. Von manchen Skeptikern, der Verfasser dieser Zeilen gehört auch dazu, wurde die Festigung des Marktes seit Mitte 2009 zunächst für eine saisonale Entwicklung gehalten, mit der es Ende 2009 schon wieder vorbei sein könnte, sobald die Milcherzeugung wieder im saisonalen Rhythmus zunimmt. In der Tat haben sich zum Jahresende Schwächetendenzen gezeigt, was aber aufgrund der kurzfristigen Nachfrageschwankungen nichts Besonderes ist, das hat es fast immer zum Jahreswechsel gegeben, auch 2006/07. Hinter der Festigung des Marktes in der zweiten Jahreshälfte ist eine zur saisonalen Entwicklung zusätzliche und möglicherweise ausgeprägte zyklische Komponente zu vermuten. Das verdient, die diversen Einflussfaktoren genauer zu betrachten.

Stagnierende Milcherzeugung

In der EU wird seit September weniger Milch als jeweils im Vorjahr erzeugt. In Deutschland ist es seit dem Herbst zumindest mit der Expansion vorbei. Die niedrigen Milchpreise haben vermutlich manchen Milcherzeuger entmutigt und viele andere veranlasst, weniger intensiv zu produzieren. Während des Frühjahrs und des Sommers war dies nicht so gut erkennbar, weil überwiegend günstige Wetter- und Vegetationsbedingungen in den meisten Gebieten Europas schon relativ hohe Milchleistungen aus dem Grundfutter ermöglichten. Die Entmutigung vieler Erzeuger kommt auch darin zum Ausdruck, dass in Europa die Quoten trotz Erhöhungen und zusätzlicher Erleichterungen durch die reduzierte Fettkorrektur nicht voll genutzt worden sind, was schon seit längerem zu beobachten ist. Auch die letzten Hochrechnungen für Deutschland weisen für das Quotenjahr 2009/10 in diese Richtung.
Damit hat dieser Teil der EU-Milchmarktpolitik, nämlich die Angebotssteuerung durch Quoten, weiter an Wirksamkeit eingebüßt. Umso verwunderlicher ist nur, dass die Erhöhung der Quoten für die Schwierigkeiten am Markt verantwortlich gemacht wird, zumal sie ohnehin keine planwirtschaftliche Vorgabe sind. Lediglich in den Niederlanden und Dänemark wurde im Herbst 2009 noch mehr Milch an Molkereien geliefert, in allen anderen EU-Ländern sind Stagnation oder teilweise sogar deutliche Rückgänge erkennbar.

Der Weltmarkt ist zurück

Angestoßen wurde die Festigung der Preise für Butter und Milchpulver zunächst von der Intervention und später von der Exportnachfrage, nachdem die Intervention in der produktionsstarken Zeit den Markt soweit bereinigt hatte, dass die Preise wieder anzogen. Nachdem inzwischen keine Exporterstattungen mehr gewährt werden, haben sich bei Butter und Milchpulver die Preise am Weltmarkt und am Binnenmarkt weitgehend wieder angeglichen. Damit haben wir eine ähnliche Situation wie 2006/07, als nämlich der Weltmarkt die EU-Marktpreise bestimmte. Die dahinter stehende globale Marktsituation genauer zu analysieren lohnt sich.

Weltmilcherzeugung wächst nur wenig

In Ozeanien, vor allem Australien, bleibt die Milcherzeugung hinter den Erwartungen deutlich zurück. In den USA wird seit dem Herbst 2009 nach einer Reihe von Jahren mit stetem Wachstum weniger Milch erzeugt, und die Prognosen für 2010 deuten auf eine längere Unterbrechung des Wachstums hin. In den wichtigsten Ländern Lateinamerikas, nämlich Argentinien, Mexiko und Brasilien zeigen sich teils Stagnation teils sogar Rückgänge. Indien erzeugt von Jahr zu Jahr mehr Milch; angesichts der wachsenden Bevölkerung bleibt von diesem Wachstum nur selten mehr für den Export übrig. Widersprüchliche Informationen kommen aus China, was die Erzeugung betrifft. Nach dem Melamin-Desaster soll die Erzeugungsstruktur radikal umgekrempelt werden. Steigende Milchpulverimporte lassen zurzeit eher Stagnation oder sogar eine schrumpfende Erzeugung vermuten. In Russland erhofft man sich von einer verstärkten Förderung der Milcherzeugung eine bessere Versorgung des Binnenmarktes aus eigener Produktion, aber alles vollzieht sich in kleinen Schritten. Die Ukraine scheint sich als Player am internationalen Markt wegen rückläufiger Erzeugung immer mehr zu verabschieden. Ackerfrüchte sind dort lukrativer. Alle zusammen genommen kommt dann auch 2010 wie schon 2009 nur ein bescheidenes Wachstum der Weltmilcherzeugung zusammen, wenn überhaupt.

Die Bestimmungsfaktoren der EU-Milchmarktpreise: Weltmarkt oder Intervention





EU: Nachfrageschwäche noch nicht überwunden

Dem steht vermutlich ein schnelleres Wachstum der weltweiten Nachfrage gegenüber: Dass dieses Wachstum sich 2010 auch in Deutschland und der EU einstellen wird, ist allerdings fraglich. Noch nicht ausgestanden trotz positiver Signale ist die Wirtschaftskrise, vor allem nicht bei der Beschäftigung. In der Hochpreisphase hat mancher Verbraucher den sparsameren Umgang mit Lebensmitteln wieder entdeckt, diese Erfahrung vergisst man nicht so schnell. Die Daten der Marktforschung weisen darauf hin. Positiv hat der Butterabsatz auf niedrige Verbraucherpreise reagiert, das könnte bei gestiegenen Butterpreisen in die andere Richtung gehen. Dem Mengenabsatz wenig genützt haben dagegen die gefallenen Preise im weißen Sortiment. Doch scheint wieder mehr Käse gefragt zu sein. Bei Anhalten dieser Tendenzen und stagnierender Milcherzeugung wird deshalb voraussichtlich weniger Butter und Magermilchpulver erzeugt.

EU: Höhere Anteile am Welthandel, Interventionskäufe erheblich geringer

Am internationalen Markt wird die wirtschaftliche Erholung, wenn sie sich fortsetzt, die Nachfrage weiter beleben. Da Amerika, Ozeanien und Argentinien weniger exportieren können, wird der Bedarf stärker von der EU gedeckt werden müssen, was zu einer deutlichen Entlastung des EG-Marktes führen wird. Zurzeit ist allerdings das Neugeschäft für den Drittlandsexport wegen der auf Null gesetzten Erstattungen erschwert: Die Preise am europäischen Binnenmarkt sind höher als am internationalen Markt. Am internationalen Markt sind sie allerdings höher als die Interventionspreise der EU. Daher hat die EU-Kommission im Dezember die Intervention geschlossen, d. h. sie schreibt vorerst nicht weiter aus. Sollten die Preise unter Druck geraten, wird zuerst das Weltmarktniveau und nicht die Intervention die untere Auffanglinie bilden. Sie verliert wieder an Bedeutung. Im günstigsten Fall könnte es dazu kommen, dass die Weltmarktpreise auf das derzeitige EU-Niveau anziehen, dann braucht nicht interveniert zu werden.

Mit sinkender Herstellung von Butter und Magermilchpulver ist zu rechnen, wenn kaum mehr Milch erzeugt wird, aber mehr Käse. Fraglich wird sein, ob überhaupt Butter in größeren Mengen eingelagert werden muss. Bei Magermilchpulver dürften die Mengen deutlich zurückgehen. Bei Betrachtung der 2009 intervenierten Mengen sollte ohnehin bedacht werden, dass es sich um den strukturellen Überschuss von zwei Jahren, nämlich 2008 und 2009 handelt. 2008 war die Intervention wegen zu hoher Marktpreise nicht offen, es wurde Ware bis in das Frühjahr 2009 in privater Lagerhaltung überwälzt, bis die Intervention den Markt bereinigt hat. Derzeit schiebt wohl kaum jemand größere Bestände vor sich her, ausgenommen die EU-Intervention und das US-Landwirtschaftsministerium. Daher ist die Ausgangslage 2010 von vornherein günstiger als Anfang 2009. Wenn interveniert werden muss, wird dies voraussichtlich über kürzere Zeiträume und für geringere Mengen erforderlich sein, mithin wird auch das Preisniveau in erheblich geringerem Maß von der Intervention bestimmt, wenn es dazu kommen sollte. Und sollte es dazu kommen, werden voraussichtlich auch wieder Erstattungen gewährt.

Allerdings müssen die Interventionsbestände irgendwann ausgelagert werden. Bestimmte Anteile sind für Hilfsprogramme vorgesehen und werden daher nicht in den freien Markt zurückkehren. Der Verkauf wird dann das Preisniveau nach oben deckeln, man darf gespannt sein, ob das schon 2010 und in welcher Höhe das geschieht.

Ungleichgewichte

Wieder im Ungleichgewicht sind die verschiedenen Verwertungen der Milch, was an den unterschiedlichen Kontraktlaufzeiten liegt. Ende 2009 zu Tagesnotierungen verkaufte Butter und Magermilchpulver erzielen die höchste Verwertung und auch mehr als die im November eingetretenen Erhöhungen für Trinkmilch erwarten lassen. Noch weiter im Rückstand gegenüber der Butter/Magermilchpulver-Verwertung liegt die Käseherstellung. Am Spotmarkt für Milch, Rahm und Magermilchkonzentrat sind die Preise im Dezember deutlich zurückgegangen. Dies ist zumindest teilweise auf die saisonalen Besonderheiten zum Jahresende zurückzuführen. Ob damit schon das Ende der Phase steigender Preise auch für Milchpulver und Butter oder sogar eine Umkehrtendenz eingeläutet wird, lässt sich frühestens ab Mitte Januar besser beurteilen.

Milchauszahlungspreise: Nicht zu hohe Erwartungen

Ihren jeweiligen Produktionsprogrammen entsprechend werden die Molkereien in der Lage sein, die Auszahlungsleistungen gegenüber dem Jahr 2009 zu verbessern. Für den Jahresbeginn sollten nicht zu hohe Erwartungen geweckt werden: Die Preise für Käse und Konsummilch sind kaum höher als Anfang 2009. Besser sind jedoch die Aussichten dafür, dass man diese Preise über das angebotsstarke Frühjahr hinweg halten und im weiteren Verlauf vielleicht auch höhere wird durchsetzen können. Letzteres setzt voraus, dass Butter und Magermilchpulver relativ teuer bleiben und damit gute Argumente liefern, mit höheren Preisen für Käse, Konsummilch etc. das Gleichgewicht der Verwertungen durch Anpassungen nach oben herzustellen. Dabei ist sicher auch eine Preispolitik mit Augenmaß gefordert, um die Erholung der Absatzmärkte nicht aufs Spiel zu setzen. Dass die Preise für Butter und Magermilchpulver oder für eines der beiden Produkte zurückgehen, ist auch nicht auszuschließen, zumal sie ja reichlich Spielraum oberhalb des Interventionsniveaus haben. Dann wird man das derzeitige Niveau im weißen Sortiment im besten Fall gerade halten können.

Der Dollarkurs

Standhaftigkeit in Preisverhandlungen kann nur beweisen, wer gleichwertige Alternativen hat, z. B. wenn der Verkauf von Milch in Form von Milchpulver, Butter und Käse auf den Weltmarkt attraktiver ist. Die in US-Dollar notierten Weltmarktpreise sind innerhalb kurzer Zeit kräftig gestiegen, in Euro dagegen etwas weniger wegen des abgeschwächten Dollarkurses. Allerdings wird dem Dollarkurs wenig Vertrauen entgegengebracht, und die Frage wird sein, wie viel von stabilen oder festen Preisen in US-Dollar dann noch in Euro übrig bleibt. Im ungünstigsten Fall wird die EU das bereit gehaltene Instrumentarium von Erstattung und Intervention wieder einsetzen müssen, was aus derzeitiger Sicht, wie erwähnt, nicht auszuschließen ist.

Erhard Richarts

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Der deutsche Milchmarkt stabilisiert sich weiter